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Dienstag: Abschied mit Wehmut

22. Februar 2011
Die Pistenblogger sagen: Danke!

Die Pistenblogger sagen: Danke!

Die Weltmeisterschaft war sensationell, aber sie ist jetzt zu Ende. Nach anfänglich chaotischen Zuständen im Volunteer-Bereich, hat sich die Ski-Welt für uns zum Positiven geändert. Jeden Tag mit Weltklasse-Athleten zu quatschen, das war einfach der Hammer. Diese netten, zugänglichen Typen bei ihrer Arbeit aus nächster Nähe beobachten zu können, und sie kurz später zu befragen – ein Privileg für uns Pistenblogger.

Wir bekamen einen Eindruck davon, wie es bei einem Event dieser Größenordnung vor und hinter den Kulissen abläuft. Bei uns allen mischte sich bei der Abfahrt vom Eisstadion Garmisch-Partenkirchen ein großes Stück Wehmut neben die Vorfreude auf unsere eigenen Betten und mal wieder genügend Schlaf. Gestern morgen sind wir alle in unseren eigenen Betten aufgewacht. Es war für uns alle ungewohnt, mal nicht das verschlafene Gesicht der sechs anderen Pistenblogger als erstes nach dem Aufstehen zu sehen.

Leider wird das der letzte Artikel sein, den wir Pistenblogger veröffentlichen, denn, auch wenn das bloggen viel Spass gemacht hat: Die WM ist zu Ende und wir sieben Pistenblogger müssen uns jetzt auf unsere nächsten Aufgaben vorbereiten, die da Praktika heißen.

Bei Euch, liebe Leser, wollen wir uns natürlich bedanken. Für das Lesen unserer Artikel, aber auch für Eure Kommentare, die uns gefreut und angespornt, sowie uns als Feedback gedient haben, wie unsere Artikel in der Öffentlichkeit ankommen.

Danke

Die Pistenblogger

Samstag: Kein Blick aus einer anderen Welt

21. Februar 2011
Einsatz als Ga & Pa.

Einsatz als Ga & Pa.

Unser Traum ist wahr geworden! Zwei Pistenblogger wünschten sich seit dem Weltcup-Finale im letzten Jahr nichts sehnlicher, als ein Mal Ga und Pa sein zu dürfen. Am vorletzten Tag der Ski-WM geschah endlich die faszinierende Metamorphose. Eine Liebesgeschichte.

Es ist heiß, man sieht kaum etwas, die Schuhe sind viel zu groß und ständig soll man die Arme ausstrecken – klingt nach einer schrecklichen Zeit. Doch die war es mitnichten! Daran änderten auch die drei angetrunkenen Bauerntrampel nichts, die sich Geld anboten, um uns von der Bühne zu schubsen. Natürlich hätten sie das nicht geschafft, schließlich waren wir nicht mehr nur zwei Maskottchen – nein – das Kostüm wurde unsere zweite Haut. Wir waren vollen Herzens und mit aller Hingabe GA und PA.

Pistenblogger-Gruppenfoto

Pistenblogger zu Besuch bei den Kollegen.

Wir laufen durch den WM-Park.  „Schau mal, da sind Ga und Pa.“ Jeder will ein Foto. „Hallo Ga.“ Man möchte antworten, darf aber nicht reden. Welcher Schneeball kann schon reden?! Die beiden übergroßen, lächelnden Schneebälle sind die Berühmtheiten der WM – da können selbst Rosi und Christian nicht mithalten, auch kein Kaiser – selbst Bode Miller muss das Weite suchen (wobei er das sowieso immer tut). Sogar Autogramme müssen geschrieben werden – kann gut sein, dass statt der blauen Mutze des kleinen Jungen, jetzt seine Stirn mit Edding bekritzelt ist. Warum? In den Kostümen ist die Sicht stark eingeschränkt. Besonders kleine Kinder werden leicht übersehen, doch wir nehmen uns ihnen gerne an. Auch hübsche Damen umarmen wird bevorzugt – sehr zum Unmut ihrer männlichen Begleiter. Maskottchen haben eben Narrenfreiheit – ihnen kann man einfach nicht böse sein…

High Five mit Maria.

High Five mit Maria.

Offizielle Programmpunkte: Medaillenvergabe für den Slalom der Damen und Startnummernauslosung für den Abschlusswettkampf der WM (Slalom Herren). Unsere Aufgabe dabei: Stimmung machen in den sieben Minuten des Umbaus dazwischen. Zu Alors on danse und YMCA rockten wir die Bühne und unterhielten die 5000 Zuschauer mit noch nie dagewesenen Tanzeinlagen. Die 16 besten Slalomfahrer klatschen mit uns ab – außer Mario Matt. Sorry Mario, aber der Unterhaltungsauftrag war uns wichtiger.

So lieferten wir nach zwei Stunden „Arbeit“ unsere zweite Haut wieder ab, und auch wenn Ga & Pa nun in die Abstellkammer der Maskottchen (zu Goleo und Co.) verwiesen werden – in unserem Herzen leben sie weiter.

Pistenblogger des Tages: Martina Ertl-Renz

21. Februar 2011

Sie ist neunfache Deutsche Meisterin, war Weltmeisterin und hat einige Olympia-Medaillen in der Vitrine. Heute ist sie nicht mehr auf Skiern unterwegs, sondern jagt mit einem Microphon durch die Berge. Martina Ertl-Renz ist unsere Pistenbloggerin des Tages:

Sonntag: Ende gut, was war gut?

20. Februar 2011
Diskokugel im Main Press Center. Quelle: Pistenblogger

Diskokugel im Main Press Center. Quelle: Pb

Nun ist sie also vorbei, die Alpine Ski-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen – für uns Pistenblogger noch nicht ganz. Wir wollen zum Beispiel noch von euch wissen, was euch an diesem sportlichen Großereignis (am meisten) gefallen hat – Mehrfachnennung möglich.

Falls euch etwas nicht gefallen haben sollte oder ihr euch über irgendetwas gewundert habt, dann schreibt einfach einen Kommentar zu dieser Umfrage.

Pistenblogger des Tages: Markus Othmer

20. Februar 2011

Die meisten Pistenblogger träumen davon, einmal eine Sportsendung moderieren zu dürfen oder als Stadionsprecher die Zuschauer zu unterhalten. Welch tolles Gefühl, das wohl sein muss – Markus Othmer kennt es bereits und weiß uns Pistenblogger zu schätzen: Deshalb ist er unser Pistenblogger des Tages!

Pistenblogger des Tages: Roman Roell

19. Februar 2011

Leider war er heute nicht nur unser Pistenblogger des Tages, sondern auch ein trauriger Prophet: Roman Roell kündigte bereits vor dem finalen Durchgang an, dass unsere Maria wohl nur neben dem Podest lächeln wird.

Freitag: „Bratre Kubo, Bratre Kubo!“

19. Februar 2011

Schwer kamen wir heute Morgen aus den Federn, sehr schwer. Das lag aber nicht, wie einige von Euch nun vermuten, an einem ausschweifenden gestrigen Partyabend – schön wär’s. Nein! Wie bereits an den vorigen zwei Abenden tüftelten wir bis um 22 Uhr  an der Extended Start-List für den  Riesenslalom der Männer.

Bereits um sieben Uhr in der Nacht hatte uns das MPC wieder. Der Pressespiegel und die ausstehende Übersetzung der Start-List warteten schon sehnsüchtig auf uns. Formatiert, kopiert, getackert und ab mit dem Shuttle zum Flash-Quotes-Sammeln an die Kandahar. Was für ein Stress! Diesen wusste unser Buspilot aber gekonnt zu lindern.

Blödsinn im Shuttle. Quelle: Pistenblogger

Jede Shuttle-Fahrt in Garmisch hat seine eigenen Facetten. Im vergangenen Jahr während des Weltcup-Finales endete unsere erste Fahrt vorerst an einem Baum. So mancher Pistenblogger besudelte beim Anfahren an Ampeln bereits das todschicke Blau seiner Volunteer-Jacke, als er im Begriff war, einen Schluck Kaffee zu trinken. Und neulich erzählte uns ein Fahrer von Baumstamm-Blockaden auf der Medienstrecke, die verärgerte Bauern errichtet hatten.

Aber zurück zu unserer heutigen Fahrt: Schnell hatte der Gute-Laune-Bär hinter dem Steuer Liedblätter an uns verteilt. Wenig später schallte „Bruder Jakob“ mehr oder doch eher weniger melodiös aus acht Männerkehlen. Weil der Text nur auf deutsch ja langweilig gewesen wäre, folgten die Versionen aus England und Spanien und Kroatien und der Türkei und, und, und. Das alles mit gefühltem Rallye-Tempo und einem inbrünstig, auswendig mitsingendem Shuttle-Fahrer. Der Mann hatte augenscheinlich in den vergangenen WM-Tagen mit seinen Passagieren geübt.

Seinen Zweck hatte die Gesangseinlage auf jeden Fall erfüllt: Gut gelaunt begaben wir uns in die Stimmenschlacht. Ein Liedtext blieb uns Pistenbloggern dabei nachhaltig in Erinnerung: „Bratre Kubo, Bratre Kubo, jeste spís, jeste spís? Venku slunce zárí, ty jsi na polstari, vstávej jiz, vstávej jiz.“ Na, wer errät die Sprache?

Freitag: DFB in the house!

19. Februar 2011

Freitag Nachmittag im Pressezelt an der Kandahar. Der Riesenslalom der Männer ist gerade vorbei, draußen feiert Ted Ligety seinen Sieg und wir sind natürlich dabei, die gerade gesammelten Stimmen im Skript zu verewigen. Mittlerweile kennt man die Journalisten, die Tag für Tag um uns herum ihrer Arbeit nachgehen. Also schaue ich mich um und hake innerlich ab – Schweizer Fernsehen, Tschechische Zeitung, Norwegisches Fernsehen, Pressesprecher der Deutschen Fußballnationalmannschaft, Österreichisches Radio… Moment! Pressesprecher unserer Fußball-Nationalmannschaft?

Der Deutsche Fußball Bund goes Garmisch. Quelle: Vero b./flickr.com

Der Deutsche Fußball Bund goes Garmisch. Quelle: Vero b./flickr.com

Ganz richtig, Harald Stenger steht mitten im Raum und quatscht friedlich mit unserem Chef Gerd Rubenbauer. Natürlich lassen wir uns die Gelegenheit nicht entgehen und verwickeln den Mann, der bei Länderspielen immer Schweini, Lahm und Co. ankündigt und befragt, in ein Gespräch. Nur zum Kaffee trinken und Skifahren gucken ist er nicht hier, der Harald – „man muss auch immer sehen, was die Konkurrenz macht“. Auch wenn der Skisport und der Fußball nicht in direkter Konkurrenz zueinander stünden. Gut beobachtet, Harald!

Insgesamt zeigt er sich von der Organisation beeindruckt, besonders das Pressecenter an der Kandahar hat es dem DFB-Angestellten angetan. Die Möglichkeit, dort auf mehreren Flachbildfernsehern die Interviews von der Piste zu sehen, sei „schlicht sensationell“. Willkommen im 21. Jahrhundert! Natürlich will ich wissen, ob ein Projekt, wie das der Pistenblogger auch im Fußball möglich sei – quasi eine Art Rasenblogger? „Die anderen Journalisten würden uns den Kopf abreissen, die Mixed-Zones sind eh schon total überlaufen“, entgegnet uns Harald leider Gottes. Zur Wiedergutmachung empfiehlt er uns dann aber immerhin noch dem Rest der Welt:

Dienstag: 1.000 Meter ins Nichts

19. Februar 2011
Der Freie Fall von oben.

Der Freie Fall aus der Gondel. Quelle: Pb

Nach zehn Tagen Ski-WM war am Dienstag der erste Ruhetag. Für uns zwar nicht komplett, aber für die Athleten. Nach der obligatorischen Erstellung des Pressespiegels am Morgen machten wir uns auf den Weg an die Kandahar. Einmal die Abfahrtsstrecke von oben anschauen, das war unser Plan. Und wie erwartet, die Piste ist nur mit einem Wort zu beschreiben: unfassbar. Sie ist steil, sie ist schnell, sie ist eisig und vor allem ist sie: lang. Wir waren mit der Gondel knapp zehn Minuten unterwegs, die Fahrer brauchen für die 3,3 Kilometer nicht einmal zwei Minuten. Der freie Fall wirkt von oben wie eine Gletscherspalte, in die sich die Abfahrer freiwillig hineinstürzen.

Alpspix - 1.000 Meter ins Nichts

Aussichtsplattform Alpspix. Quelle: Pb

Nach der Fahrt mit der Kreuzeckbahn wagten wir uns an die Alpspitzbahn. Oben soll es ja eine Aussichtsplattform geben, die auf Bildern ziemlich gefährlich aussieht. Es war ein Abenteuer, man kann es nicht anders sagen. Ein Pistenblogger hatte merklich mit seiner Höhenangst zu kämpfen (er verlor nach Punkten), drei andere ließen das Extreme Team wieder aufleben und wagten sich auf die Plattform namens Alpspix. Von einem Fels ragen zwei Stahlplattformen ins Nichts, der Boden ist durchsichtig. 1.000 Meter geht es hinunter. Dagegen war der Ausflug am Kran nichts weiter als ein Kindergeburstag. Am Anfang waren die Knie weich, nach ein paar Minuten wurde es besser. Ein Ruhetag war es in dem Fall trotzdem nicht: Bei uns herrschte mehr Nervenkitzel als bei so manchem Rennen.

Pistenblogger des Tages: Wolfi Hostmann

18. Februar 2011

Wolfi ist unser Stadion-Interviewer an der Kandahar und am Gudiberg. Er mischt sich unter die Zuschauer, er spricht mit den Fanclubs und den Eltern der Athleten. Und: Er ist ein Fan von Pistenblogger.

Mittwoch: Exotenscreening, die Zweite

18. Februar 2011

Die kulturelle Vielfalt dieser WM ist beachtlich, hier kommen weitere Informationen zu den Exoten:

Gerade in den unteren Fußballligen sind Spielertrainer Gang und Gäbe. Das gibt es aber auch im alpinen Skisport: Alexander Heath aus Südafrika ist sein eigener Trainer. Sein Teamkollege und zugleich Schützling Tsotane Dywili mag Kung-Fu – Alexander sollte ihm also besser nicht blöd kommen.

Der Luxemburger lässt sein Material prüfen. Quelle: Pistenblogger

Der Luxemburger lässt sein Material prüfen. Quelle: Pistenblogger

Ben Trierweiler aus Luxemburg hat einen riesigen Vorteil: er kann den Hang  runtersegeln und ins Ziel fliegen. Schließlich ist er Flugzeugmodellbauer.

Ein Skilehrerinnen-Kalender soll eine ausgefallene Idee sein? Nicht für Hubertus von Hohenlohe aus Mexiko. Schließlich fotografiert er gerne.

Ihn haben wir die letzten Tage stets in der Mixed-Zone gesehen: Jean-Pierre Roy aus Haiti weiß sich zu vermarkten – mit Erfolg. Fast jede Zeitung schrieb über ihn. Mit Recht: Jean-Pierre ist 47 Jahre alt, hat sieben Geschwister, spielt in einer Rock-Blues-Band den Bass und hat zwölf Jahre Cello gelernt. Auf den Skiern steht er übrigens noch nicht so lange.

Bekannt als der „Snow-Leopard“ möchte Kwame Nkrumah-Acheampong der erste Mensch sein, der in Ghana Ski fährt. Spenden für eine Piste werden bereits gesammelt. Kwame legt aber auch selbst Hand an, er hat seinen Rennanzug selbst designed.

Die Skiläufer aus den Niederlanden scheinen wahre Männer zu sein. Joery van Rooij fährt total auf schöne Frauen ab (auch die Pistenblogger haben da nichts dagegen) und Maarten Meiners, der erst letztes Jahr sein Abitur gemacht, schwärmt für schnelle Autos (die Pistenblogger schwärmen für schnelle Shuttles).

Wenn wir mal Probleme mit unserem Blog haben, wissen wir jetzt, an wen wir uns wenden können: an Stepan Zuev aus Russland und den Australier Hugh Stevens. Beide sollen absolute Computergenies sein.

Das Exotenscreening war eine unterhaltsame und anspruchsvolle Aufgabe, vor allem bei Trainern, die genauso viel Englisch sprechen wie die Pistenblogger Bulgarisch. So unterschiedlich die Fahrer aus Brasilien, Chile & Co(ngo) sind, eines teilen sie allesamt: die insbrünstige Leidenschaft für den Skisport und den Traum, einmal bei einer Alpinen Ski WM dabei zu sein. Dafür gibt’s von den Pistenbloggern 14 Daumen nach oben!

Täglich: Grüßt der Pistenblogger

18. Februar 2011

Ihr werdet Euch sicher schon oft gefragt haben: Wie sieht er denn aus, der ganz normale Arbeitsalltag der Pistenblogger? Wollen wir mal einen kleinen Einblick in unsere täglichen Aktivitäten geben.

Unsere Morgenlektüre. Quelle: pb

Unsere Morgenlektüre. Quelle: pb

6.30 Uhr: Wir marschieren pünktlich zur Eröffnung des Mediencenters ein. Der Pressespiegel will erstellt werden. Das heißt für uns: Zeitungen lesen bis zum Umfallen. Alles wichtige zur Ski-WM wird ausgeschnitten, abgegeben und kopiert. Das Resultat daraus ist eine knapp 50-seitige Mappe mit allen relevanten Artikeln des Tages aus allen Zeitungen, die uns zur Verfügung stehen. Da freut sich der Journalist.

Eine Stunde vor dem Rennen: Wir machen uns auf den Weg an die Piste. Meistens an die Kandahar, zum Slalom an den Gudiberg. Dort verteilen wir die Extended Start Lists an die Stadionsprecher und TV-Kommentatoren, damit sie mit geballtem Hintergrundwissen brillieren können.

Das Rennen beginnt: Wir stehen im Zielraum bei den Print- und TV-Journalisten und warten auf die ersten Athleten. Sobald sie da sind, nehmen wir ihr erstes Statement entgegen. So geht das bis zum Ende des Rennens, bis wir – im Idelfall – von jedem einzelnen Läufer ein Statement bekommen haben. Gibt es zwei Durchgänge, machen wir das Ganze doppelt.

Nach dem Rennen: Wir verschwinden ins Medienzelt an der Strecke, tippen die Statements ab, drucken sie aus und verteilen sie an die versammelte Journalistenmeute. Die Freude der Kollegen ist groß – zurecht.

Nachmittag: Wir kommen ins Main Press Center zurück, wenn es die Zeit erlaubt, kümmern wir uns um den Inhalt des Blogs.

Abend: Wir warten auf die Startnummernauslosung. Sobald wir wissen, wer am nächsten Tag mitfährt, machen wir uns an die Extended Start Lists. Dabei suchen wir alle interessanten Informationen zusammen, die es über einen Fahrer gibt. Egal wie – sei es über die Trainer, über die FIS-Seite oder über ihren privaten Facebook-Account. Diese Informationen werden dann gebündelt an die Kommentatoren verteilt. Verrückt, was die im Fernsehen alles wissen, oder?

22:30 Uhr: Spätestens um diese Uhrzeit verlassen wir das Mediencenter – es wird abgeschlossen. Wir machen uns auf den Weg in unser Zehnbettzimmer und schlummern friedlich bis zum nächsten Morgen. Dann beginnt das Spiel von vorn. Täglich grüßt der Pistenblogger.

Donnerstag: Als DJ an der Piste

17. Februar 2011

Zuschauer am Horn. Quelle: Pistenblogger

So eine kleine Bergtour am frühen Morgen ist schon was ganz was feines. Kaum im Pressezentrum angekommen, wird man losgeschickt: Qualifikation für den Riesenslalom der Herren! Ja gut, ein paar Exoten dabei zuschauen, wie sie sich die Piste runterquälen – könnte ja ganz witzig werden. Also mache ich mich zu Fuß auf den Weg und begleite Stefan Kitzmüller, der kurzfristig als Kommentator einspringen musste, zur Horn-Abfahrt. Dort findet die Qualifikation für den morgigen Riesenslalom der Herren statt. Die erste Hiobsbotschaft bekommen wir praktisch schon mit unserer Ankunft: Der Nebel hängt tief im Hang. Start wird wahrscheinlich verschoben. Tatsächlich wird er sogar mehrmals verschoben – bis 11:45 Uhr. Zwei Stunden Warten kosten die Veranstalter nicht nur Nerven, sondern auch die fünf einzigen Zuschauer, die zur Qualifaktion gekommen waren.

In den zwei Stunden quatsche ich ein wenig mit dem irischen Trainer, der mich mit dem kurzen, aber mich anscheinend beeindruckenden Wörtchen „langweilig“ anspricht. „Ja“, sage ich. Ein wahres Männergespräch. Er ist übrigens der Einzige, der sich das ganze Rennen über ernsthaft Notizen macht und akribisch zu arbeiten scheint. Achja, das Rennen. Nachdem wir lange auf den Start warten mussten und es endlich soweit war, stieg die Anspannung an der Piste merklich, ein Raunen ging durch die Zuschauermenge (Matze und der Zaun) und es wurde wie erwartet: saulangweilig. Aber zurück zum irischen Trainer. Er wirkte schon die ganze Zeit über ein bisschen traurig, nach dem ersten Durchgang wusste ich warum: Ire Eins unter den letzten 15, Ire Zwei unter den letzten 10, Ire Drei scheidet aus und Ire Vier schafft es immerhin wieder unter die letzten 10.

Ein Ire und zwei müde Chinesen. Quelle: pb

Plötzlich aber bekomme ich etwas zu tun: Ich bin der neue Pisten-DJ. Yeah! Eigentlich soll ich nur die FIS-Hymne zur Siegerehrung einspielen. Das ist mir selbstverständlich nicht genug. Ich durchforste den iPod (ja, die Piste wird mit einem iPod beschallt) nach geeigneten Liedern und entscheide mich als erstes für „Du hast den schönsten A… der Welt“, hört ja eh keiner. Danach setze ich noch einen drauf: Venga Boys! Ernsthaft! VENGA BOYS!!! Mit ihrem Knaller „My uncle John from Jamaica„. Dieser Song packt mich derart, dass ich ihn gleich mehrmals laufen lasse. Zudem versetze ich mich damit in wahrhaftige „Cool Runnings„-Stimmung – passend zu den Startern aus Ghana, Haiti und Indien. Und genau dann passiert es: Es kommen tatsächlich noch Fans – aus Haiti (!), die ihrem Fahrer Jean-Pierre Roy an der Horn-Abfahrt nochmal richtig einheizen:

Mittwoch: Exotenscreening per Pantomime

17. Februar 2011

Die Speed-Disziplinen sind passé, die Technik rückt in den Mittelpunkt – das ist auch der Startschuss für exotische Skifahrer aus aller Welt (oder welche, die es noch werden wollen). Abseits jeder Fernsehkamera müssen sie sich jedoch erst für den Endlauf qualifizieren. Dieses herzzerreißende, träumeerfüllende Aussscheindungsrennen will auch moderiert sein. Die Hintergrundinfos zu den Fahrern bekommt der Moderator natürlich von uns Pistenbloggern. Woher wissen wir das alles? Wir haben einfach die Trainer gefragt. Hinsetzen, anschnallen, festhalten und den Lachmuskeln noch eine letzte Sekunde Ruhe gönnen!

Pistenblogger Matthias packt sein Armenisch aus. Quelle: Pistenblogger

Pistenblogger Matthias packt sein Armenisch aus. Quelle: Pistenblogger

Die finnischen Trainer scherzten sich in unsere Herzen:  „Schreibt, er reitet gerne.“ Sie kugelten sich vor Lachen – der Fahrer wird sich wundern, im Ziel zu hören, er hätte eine flammende Vorliebe für Pferde.

Dmitriy Babikov aus Usbekistan rühmt sich mit dem ehrenwerten Hobby Essen. Er wird sich dann mit seinem blauen Helm wie das Maskottchen Pa den Berg runterkugeln.

„Ich kenne ihn nicht so gut“, gestand der zypriotische Trainer und rief kurzerhand seinen Schützling Constantinos Papamichael an. Der hat nicht nur einen grandiosen Namen, sondern gab auch wohlwollend Auskunft: „Ich schwimme gerne und mache Gymnastik.“

Constantinos machte da keinen Witz – Erdinc Turksever hingegen beliebt des öfteren zu scherzen. Er ist der Spaßvogel der türkischen Mannschaft und strapaziert die Nerven seiner Kollegen mit diversen Streichen. Frech, dieser Erdinc!

Csaba Bujtas aus Ungarn liebt nicht nur den Wettkampf auf Eis und Schnee. In seiner Heimat trumpft er als berühmter Go-Kart-Fahrer auf (Sebastian Vettel aufgemerkt). Motorsport ist auch die Leidenschaft vom Teamkollegen Daniel Petrovics, dem Autotuner.

Die Freundin eines Pistenbloggers bringt ihm als Nachhilfelehrerin das Rechnen bei: Manfred Oettl Reyes wirft sich für Peru ins Tal. Er ist auch musikalisch versiert, spielt Gitarre, ein peruanisches Volksinstrument und singt dazu gerne.

Na, im letzten Kirgisistan-Urlaub richtig viele Bruchbuden gesehen? Die sind auf den Mist von Dmitry Trelevski gewachsen, der hauptberuflich Architekt ist.

Sie müssen am besten klein und wendig sein: Slalomfahrer und Fußballer beim Futsal. Der Armenier Arsen Nersisyan tritt nächstes Jahr eventuell bei der armenischen Meisterschaft im Futsal gegen den Ball.

Morgen geht’s weiter mit den ganz großen Skinationen: Haiti, Ghana oder Mexiko.

Dienstag: Wolkenlose Entspannung

17. Februar 2011
Aussichtsplattform mit Panoramablick.
Aussichtsplattform mit Panoramablick.

Endlich mal Kopf-frei-bekommen – kein Weckerklingeln um 5.35 Uhr. Also ab in die Gondel und rauf auf die Berge. Ein paar tausend Meter höher sieht die Welt schon ganz anders aus: ruhiger, besinnlicher, unkomplizierter. Keine Spur von Weltmeisterschaft, kein johlendes Skistadion, keine anfeuernden Stadionsprecher, keine enthusiastischen Fans.

Der Blick über die WM-Stadt.
Der Blick über die WM-Stadt.
Keine wildgeschüttelten Kuhglocken von bunt bemalten Schweizern, keine kurbelnden Ratschen der Austria-Anhänger, keine Ducksauce-Melodien verfeinert mit irgendwelchen Fahrernamen. Kein klingelndes Handy, keine Abhängigkeit vom Internet, keine rauschenden Funkgeräte, keine verbindlichen Meetings, keine überfüllten Pressekonferenzen, keine fixen Startzeiten, kein erdrückender Zeitdruck.
Kontrastprogramm zum WM-Stress.
Kontrastprogramm zum WM-Stress.

Keine gestressten Rennfahrer, keine hektischen Interviews, kein drängelndes Geschubse, keine blinkenden Fernsehkameras, keine abgehetzten Journalisten, keine riesigen Werbebanner, keine fliegenden Kühe, keine leuchtenden Werbegeschenke, keine kräftigen Securities, keine notwendigen Akkreditierungen. Einfach mal keine WM – wenn auch nur für einen Vormittag!

Pistenblogger des Tages: Gina Stechert

17. Februar 2011

In unserer Vorberichterstattung haben wir noch die Devise ausgegeben: Gesund bleiben, Gina. Leider hat das nicht geklappt, trotzdem drückt uns die sympathische Speedfahrerin den Daumen.

Mittwoch: Cortina spickt in Garmisch

17. Februar 2011

Plötzlich war was los im Main Press Center. Eine fesche, junge Frau, eine richtige Perle – die Königin der Dolomiten. Nein, es handelt sich nicht um eine besonders attraktive Dame, sondern um eine fleißig fotografierde Horde von Besuchern. Sie kommen aus Cortina d’Ampezzo, das kleine Städtchen wird von seinen Einwohnern gerne als Schönheit beschrieben. Angeblich kann Garmisch-Partenkirchen da nicht ganz mithalten, trotz Alpenpanorama und Zugspitze.

Doch der große Unterschied ist: Garmisch darf derzeit die Ski-WM ausrichten, Cortina bewirbt sich erst noch für 2017. Nach zwei Absagen wagen sie einen erneuten Anlauf. Die Italiener wollen sich vor Ort  selbst davon überzeugen, was die Veranstalter so auf die Beine gestellt haben. „Aber wir wollen nichts kritisieren, bevor wir es nicht besser gemacht haben“, so Martin Schnitzer. Er ist der Leiter der italienischen Bewerbungsdelegation, die sich durchaus beeindruckt zeigt: vom riesigen Pressezentrum, der tollen Zuganbindung und dem geräumigen Zielbereich an der Kandahar. Auch Cortina kann mit einem ordentlichen Pfund wuchern. Denn so Martin: „Der Abfahrtstart wird ein richtiger Eyecatcher.“ Die Dolomiten seien unübertrefflich, ein optischer Leckerbissen.

Martin (2. von links) inspiziert Garmisch. Quelle: Pistenblogger

Martin (2. von links) inspiziert Garmisch. Quelle: Pistenblogger

Auch die Transportwege sollen einfacher sein: für Athleten, Journalisten und Besucher. In Venetien ist alles noch enger beisammen. In maximal zehn Minuten könne man alles zu Fuß erreichen. Es soll keine Massen-WM werden, kein großes Halli-Galli. Eher gediegen, mit einer ordentlichen Portion Klasse, etwas für Feinschmecker. Eine WM mit dem Flair Italiens in alpinem Ambiente. Na dann drücken wir mal die Daumen! Trotzdem genießen wir nun weiterhin das gegenwärtige Ambiente: bayerisch und bestimmt genauso toll wie die Skihochburg südlich der Alpen. 

Mittwoch: Schnupfen, Husten, Heiserkeit

16. Februar 2011

Erkälteter Pistenblogger Matze. Quelle: Pistenblogger

Langsam, aber sicher merkt man, dass die Strapazen der Weltmeisterschaft nicht nur an den Gemütern, sondern vor allem an der Fitness aller Beteiligten zerren. Die Augen einiger Journalisten sind glasig, mancher OK-Mitarbeiter krächzt mit heiserer Stimme und auch die Pistenblogger sind nicht verschont geblieben. Kein Wunder bei dem vielen Stress, dem Schlafmangel und den besonders abends zapfigen Temperaturen.

Es schnupft und hustet im Pressezentrum, weshalb die Kaffeemaschinen, die unsere – zum Glück noch gesunde – Kaffee-Fee Käte in Schuss hält, vermehrt ihres heißen Teewassers beraubt werden. Aber der Endspurt rückt in greifbare Nähe.  Riesenslalom Damen, Riesenslalom Herren, Slalom Damen und Slalom Herren. Dann ist es geschafft. Vier Tage heißt es jetzt noch für alle Beteiligten: Durchhalten, Gas geben und fit bleiben!

Pistenblogger des Tages: König Ludwig

16. Februar 2011

In den Adel wurden die Pistenblogger schon vor geraumer Zeit erhoben, selbst König Ludwig empfiehlt uns dem Volk:

Dienstag: Nations Team Event – Was?

15. Februar 2011

Bei der Weltmeisterschaft 2009 im französischen Val d´Isere wurde der umstrittene Teamwettbewerb wegen Lawinengefahr ersatzlos gestrichen. Athleten und Journalisten freuten sich – schließlich betrachten viele die Mannschaftsdisziplin als unnötig. Wir Pistenblogger freuen uns hingegen, in der Mixed-Zone auf entspannte und lockere Athleten zu treffen.

Doch worum geht es beim Nations Team Event überhaupt? Uns wurde gleich klar, dass nichts klar ist. Unterschiedlichste Mutmaßungen im Pressecenter machten die Verwirrung perfekt. Jetzt wird dem Rätselraten ein Ende gesetzt, so läuft’s definitiv ab:

Jede Nation stellt vier (oder maximal sechs) Fahrer, zwei Frauen und zwei Herren. Es wird im K.O.-Modus gefahren. Jedes der vier Teammitglieder fährt den parrallel verlaufenden Riesenslalom-Kurs pro Duell einmal. Für jeden gewonnenen Vergleich erhält der Sieger einen Punkt. Steht es am Ende 2:2, wird der Sieger über die Addition der Individualzeiten ermittelt.

Gehört mit Österreich zu den Favoriten: Benni. Quelle: Gap2011-OK

Den ersten Teambewerb gewann 2005 die deutsche Mannschaft (Bormio), zwei Jahre später in Are gewannen die Österreicher.

In diesem Jahr haben sich elf Mannschaften angemeldet. Die Deutschen haben nur Außenseiter-Chancen. Maria Riesch, Viktoria Rebensburg und Kathrin Hölzl haben ihre Teilnahme für den Nations Team Event abgesagt. Es starten: Lena Dürr, Veronique Hronek, Veronika Staber, Fritz Dopfer, Stefan Luitz und Felix Neureuther.

Dienstag: Pistenblogger im Iglu-Talk

15. Februar 2011
Ankündigung der Pistenblogger. Quelle: pb

Groß angekündigt. Quelle: pb

Die Karriere der Pistenblogger erreichte heute Nachmittag einen neuen, angenehmen Höhepunkt. Wir wurden ins WM-Iglu eingeladen, um dort an einer Talkrunde teilzunehmen. Wir folgten dieser Einladung natürlich gerne und entsandten eine vierköpfige Delegation auf den Kirchenvorplatz in Partenkirchen. Neben uns Pistenbloggern, waren heute ab 16:oo Uhr auch noch Florian Hilleprandt vom OK-Präsidium, sowie Prof. Dr. Dirk Heering, Hochschuldozent, geladen.

Während der etwa dreißigminütigen Gesprächsrunde erläuterte Hilleprandt Details von der WM-Vergabe für Garmisch-Partenkirchen 2011. Prof. Dr. Heering erzählte von der gescheiterten Ansiedlung einer Hochschule in Garmisch-Partenkirchen. Dann durften wir Pistenblogger unser Konzept erklären und etwas aus dem Nähkästchen des bisher Erlebten plaudern. Im Großen und Ganzen ein nett moderiertes Fußgänger-Zonen-Gespräch. Das Problem: Vor dem Iglu führt eine stark befahrene Straße vorbei, somit war der Lärmpegel hoch und die Zuschauerfrequenz leider relativ niedrig. Dennoch mischte sich der ein oder andere Passant in das Gespräch. Die Kritik am Culcha-Candela-Konzert wollte eine ältere Dame nicht so stehen lassen. Schließlich müsse man nicht immer alles schlecht machen. Jedem seine Meinung, aber was schlecht war, bleibt auch schlecht.

 

Im WM-Talk. Quelle: pb

Im WM-Talk. Quelle: pb

Zum morgigen WM-Gespräch wird Martina Ertl erwartet – hoher Beusch! Hoffentlich klappt es aber diesmal mit dem Kommen der Kombinations-Weltmeisterin von St. Anton 2001. Sie moderiert bei dieser WM gemeinsam mit Markus Othmer das Stadion-TV. Bei ihrer ersten Einladung, war sie zwar schon auf dem Weg ins Iglu – allerdings in das auf der Zugspitze. Ein Missverständnis, weswegen die Veranstaltung ohne ihren Stargast auskommen musste. Da kann man nur hoffen, dass es morgen klappt.

Schließlich handelt es sich um eine gute Idee, die leeren Straßen von Partenkirchen für die Ski-Fans attraktiver zu machen. Die Zuschauerströme schlängeln sich nahezu ausschließlich durch die Fußgängerzone von Garmisch und die romantisch, verwinkelten Gassen von Partenkirchen bleiben erschreckend unbesucht. Schade!

Pistenblogger des Tages: Julia Mancuso

15. Februar 2011

Sie ist cool, sie ist schnell und sie mag die Pistenblogger: Julia ist unser Sonnenschein.

Samstag: Hoher Besuch vom IOC

15. Februar 2011
Thomas Bach. Quelle: pb

Dr. Thomas Bach. Quelle: pb

Dr. Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Vizepräsident des Internationalen Olympischen Kommitees (IOC), war am Samstag zu Gast im Main Press Center der Ski-WM. Und nicht nur dort. Vor dem Pressetalk hatte er ein internes Meeting – im Arbeitsraum der Pistenblogger. Gut möglich, dass er sich unsere Face-Wall und genaue Aufgabenverteilung etwas näher angeschaut hat. Mittlerweile kennt man uns also auch beim IOC.

Im anschließenden Pressegespräch beantwortete Bach geduldig die zahlreichen Fragen der Journalisten. Wir Pistenblogger waren dabei. Zunächst gab es eine skurrile Information, die zu Gelächter unter den Anwesenden führte: Zur Ski-WM dürfen keine Mitglieder des IOC eingeladen werden, die sich dadurch vor Ort ein Bild der Wettkampfstätten machen könnten – es würde Münchens Olympiabewerbung beeinflussen. Das allein wäre noch verständlich, aber dass sich selbst FIS-Präsident Gianfranco Kasper beim IOC eine Genehmigung holen muss, um die WM besuchen zu dürfen, ist dann doch sehr verwunderlich. Das ist ungefähr so, als müsste sich Michel Platini bei der FIFA die Erlaubnis holen, seine eigene Europameisterschaft zu besuchen.

Thomas Bach zu Gast. Quelle: Pistenblogger
Presserunde im Mediencenter. Quelle: pb

Für die derzeitige WM findet Bach nur lobende Worte. „Hier herrschen tolle Voraussetzungen“, sagt er. „Es gibt keine Staus, es fahren andauernd Shuttlebusse und es sind großartige Wettbewerbe. Das ist der Beweis, dass Garmisch-Partenkirchen bereit für die Olympischen Spiele ist.“ Zwinkernd fügt er hinzu: „Die integrative Kraft Olympias sieht man schon daran, dass die Trachtengruppen von Garmisch und Partenkirchen bei der WM zusammen auftraten.“ Zuletzt wird er nach der Konkurrenz für 2018 gefragt. Auch hier eine kleine Überraschung: „Ein Bewerberland darf nicht über seine Mitbewerber sprechen.“ Am 6. Juli wissen wir mehr: Dann fällt das IOC die Entscheidung, wo die Spiele 2018 stattfinden werden.

Wochenende: Feiern mit den Pistenbloggern

14. Februar 2011

Freitag, 01:30 Uhr: Im Eingangsbereich des Clubs hört man plötzlich einige Leute „Da kommt Bode“ flüstern. Immer mehr Gäste erblicken den Mann, der gleich mit ihnen feiern soll. Es ist Bode Miller, der das P1 betritt – na toll! Wir Pistenblogger fassen uns an den Kopf und fangen an zu fluchen. Warum? Ganz einfach: Wir alle hatten ihn in den Top-3 unseres Pistentipps für die Abfahrt am Tag darauf. Wir ärgerten uns übrigens völlig zu Recht, Bode wurde 14.

Partyvolk im P1. Quelle: Pistenblogger

Im WM-Ableger der Münchener Nobeldisko erlebten wir aber nicht nur einen Bode Miller, der wenige Stunden vor einer der härtesten Abfahrten der Welt noch feiern geht. Dank unserer VIP-Bändchen haben wir auch Zugang zu der Empore im Club.  Wir machen ein paar Fotos und schlendern an den „VIPs“ vorbei. Kennen niemanden. Als wir gehen wollen, fällt mir dann aber eine Zahnlücke auf. Eine hübsche blonde Dame lächelt mich an, ich lächle zurück und überlege. Und dann macht es Klick: Das ist die Pressesprecherin des schwedischen Ski-Teams! Diese sympathische Zahnlücke sorgt immer dafür, dass wir mit Patrik Jaerbyn oder Anja Pärson sprechen können – und setzt dabei immer ihr bezauberndes Lächeln auf. Ohne Mütze und Sonnenbrille hätte ich sie aber beinahe nicht erkannt. Allerdings fällt mir dann nichts besseres ein, als ihr genau das zu vermitteln: „Heyyy… you’re the swedish pressgirl, right?“, begrüße ich sie euphorisch, während ich sie umarmen will. In diesem Moment denke ich mir schon: „Oh Gott, du darfst nie wieder mit Anja Pärson sprechen…“ Ihre Antwort aber ist ein grinsendes „Not tonight…“ – Autsch!

Wieder auf der Tanzfläche angekommen, begrüßen wir die anderen Volunteers, mit denen wir verabredet waren. Auch unser Pistenblogger-Model Kathy (also known as „Käte“) ist mit von der Partie – ihr scheint aber der Ruhm langsam zu Kopf zu steigen. Als ich sie filmen will, versucht sie mir die Kamera in bester Hollywood-Promi-Manier aus der Hand zu schlagen, entschuldigt sich dann aber artig. Irgendwann geht dann selbst den Pistenbloggern die Puste aus, zudem müssen wir in wenigen Stunden schon wieder an die Kandahar.

Christina in Aktion. Quelle: Pistenblogger

Samstag gehen wir etwas gemütlicher an, die Arbeit hat einen schon geschlaucht. Nur noch zwei von uns sieben Schönheiten wagen sich raus. Christina Stürmer tritt heute im WM-Park auf, kann man ja mal vorbeischauen. Wir stellen uns in den Pressebereich (vgl. Culcha Candela) direkt vor der Bühne. Direkt neben uns lauschen Johannes B. Kerner mit seiner Tochter und Markus Othmer dem Konzert. Beide bleiben aber nicht lange, sondern müssen bestimmt noch zu ein paar Promi-Empfängen. Nach einer halben Stunde wollen auch wir weiter in den Tirolberg. Hier treffen wir den frisch-gebackenen Weltmeister aus Kanada: Erik Guay – auf ihn hatte leider keiner von uns getippt, wir spüren den Ärger auf Bode Miller wieder.  Aber Erik ist ein super Typ und wir sind selbstverständlich faire Sportsmänner und gratulieren ihm zum Sieg. Abschließend noch mal auf einen Absacker ins P1 und dann ab ins Bett. Schließlich startet ja bald die Abfahrt der Damen. Von den Ladies haben wir heute – Gott sei Dank – niemanden gesehen.

Pistenblogger des Tages: Anna Fenninger

14. Februar 2011

Immerhin ist sie Welmeisterin in der Super-Kombination. Anna ist schüchtern, erst auf der Piste explodiert sie richtig. Doch für die Pistenblogger macht sie eine Ausnahme:

Montag: Who are you?

14. Februar 2011

Schuster, bleib bei deinen Leisten! Der Spruch ist alt und abgenutzt, allerdings schießt er einem jedes Mal wieder in den Sinn, wenn der offizielle WM-Song „Between Heaven and Hell“ an der Strecke aus den Lautsprechern droht. Denn Lizz Görgls Talent liegt definitiv nicht im Gesang, sondern ganz klar im Skifahren. Nachdem die sympathische Österreicherin bereits den Super-G am Dienstag gewann, ließ sie auch in der Abfahrt alle Konkurrentinnen hinter sich und gewann souverän ihren zweiten Titel hier in Garmisch. Die Pistenblogger waren natürlich live dabei und erlebten einen weiteren interessanten Tag in der Mixed Zone.

Phillip und eine japanische Journalistin. Quelle: Pistenblogger

Der gestrige Tag stand im Zeichen der Fettnäpfchen. Wir befanden uns mal wieder auf der Jagd nach den Stimmen der Fahrer, als zwei Amerikanerinnen mit dicken Sonnenbrillen und Mützen auf uns zustapfen. Schnell einen Blick auf die Startliste – aha, Leanne Smith und Stacey Cook müssen das sein. Doch wer ist wer? Eine der beiden lässt sich zurückfallen und so habe ich eine 50/50-Chance. „Stacey, just a few questions“ – „I am Leanne, Stacey’s over there“. Autsch. Mit Schamesröte im Gesicht führe ich das Interview mit der lachenden Leanne und gebe Mario das Zeichen, sich um Stacey Cook zu kümmern. Als diese an ihm vorbeikommt, höre ich Mario nur noch rufen: „Leanne, could i have…“ Den Blick von Leanne Smith, die immer noch bei mir stand, werde ich wohl nie vergessen. Wir wollten unsere Fehler daraufhin wieder gutmachen, und anderen Journalisten helfen, die nicht alle Stimmen bekommen hatten. Und wenn man dabei noch ein bisschen flirten kann, dann profitieren beide Seiten, wie dieses Beispiel zeigt.

Sonntag: Das Leben der Ga

14. Februar 2011

Fast bekannter als Maria Riesch: Ga und Pa. Quelle: OK GAP2011

Sie sind allgegenwärtig. Wo man in Garmisch auch hinsieht, winken sie einem von Plakaten, Fotos, T-Shirts, Handschuhen und vielen anderen Utensilien zu. Immer lächelnd, immer mit dem gleichen, fröhlichen Gesichtsausdruck. Ohne die beiden wäre die WM in Garmisch definitiv nicht dasselbe: Ga und Pa, die rundlichen Maskottchen der Ski-WM. Doch wer steckt eigentlich in diesen Hüllen, die von Kindern angehimmelt werden und sogar öfter als Maria Riesch für Fotos posieren müssen? Wir haben uns nach dem Abfahrtsrennen der Damen mit Ga (steht für GArmisch) getroffen, und siehe da – der Inhalt der sympathischen Kugel mit Mütze ist eine junge Frau namens Anita.  Geschafft und verschwitzt zwängt sie sich gerade aus ihrem Kostüm, doch wie Pa hat auch sie immer ein Lächeln auf den Lippen. „Großen Spaß“ mache es, während ihrer Ga-Schicht Stimmung zu erzeugen und für Fotos bereit zu stehen.

Zwei bis drei Stunden dauert ein Einsatz als Ga am Vormittag, während des Gottesdiensts am Nachmittag und abends im WM-Park steht dann die nächste Schicht an. Unterstützt werden die Maskottchen dabei von ihren persönlichen Betreuern, die ihnen nicht von der Seite weichen und durch die Gegend führen.

Geschafft nach einer Schicht als Ga: Anita. Quelle: Pistenblogger

Denn die Sicht ist auf ein kleines Quadrat beschränkt, das einem kaum Orientierung bietet. Auch sonst ist es alles andere als leicht, Ga zu sein: Hinsetzen ist unmöglich, Toilettenbesuche erst recht und als einer mal versuchte, in dem Kostüm zu rauchen,  verwandelte sich das Maskottchen in einen sehschwachen Kamin. Nach drei Stunden ständiger Gute-Laune ist Anita dann auch froh, wenn sie eine Pause einlegen kann, denn nach den Auftritten herrscht im Kostüm eine Hitze wie in einer Sauna. Deshalb haben schon einige das Maskottchen-Amt abgegeben, oder spielen zumindest mit dem Gedanken. Prominent zu sein hat eben auch Nachteile.

Sonntag: Laras Mixed-Zone-Comeback

13. Februar 2011

Heute kehrte der Sonnenschein zurück in die Mixed-Zone. Damit Ihr das nicht missversteht, bereits die gesamte WM über färbt das gute Wetter die Launen und Gesichter. Aber ein kleiner, nicht unmerklicher Schatten lag dennoch bislang über dem Medienbereich. Entweder schnaubte sie ihren Frust in unsere Blöcke oder ignorierte uns vollkommen. Aber heute strahlte Sonnenschein Lara Gut für uns endlich ihr schönstes Lächeln.

Pistenblogger vor Kameras: Lara. Quelle: FIS

Stellt Euch vor, sechs Kamerateams, acht Radio-Reporter, zehn Printjournalisten und ein Pistenblogger gieren auf ein Zitat der jungen Schweizerin! Was meint Ihr, für wen entscheiden sich Lara und ihr Pressesprecher zuerst? Richtig geraten! Zielgerichtet steuern die beiden auf uns zu, ohne dass wir uns auch nur irgendwie erdreistet hätten, nach einem Interview zu fragen. Der angreifende Artikel „Gut, aber zickig“ in der schweizer Zeitung „Blick“ hatte seine Wirkung wohl nicht verfehlt. Darin stand unter anderem: „Als Einzige der Top-20 nimmt sie sich nicht einmal für die Flashquote-Sammler des Organisators Zeit.“ Und das sind schließlich wir.

Umringt von Kameras, Tonangeln, Diktiergeräten und wildem Blockgekritzel steht Lara uns, ja nur uns,  freundlich, geduldig, knuffig, und vor allem strahlend minutenlang Rede und Antwort. Sie plaudert mit uns über die schmerzhaften Folgen ihres Slalomsturzes, den Husarenritt auf der Kandahar und erzählt, wie sie nun erst einmal ausspannen wird. Keine Spur mehr von der schlechten Laune der Vortage.  Erst nachdem sie sich bedankt und verabschiedet hat, wendet sie sich den Mikrofonen zu und hinterlässt bei uns ein seeliges Lächeln.

Freitag: Ein Seelsorger für Susanne

13. Februar 2011

Szenario 1: Susanne Riesch liegt nach dem ersten Slalomdurchgang auf Platz eins – gleich soll sie sich zum zweiten Mal durch den Stangenwald am Gudiberg hindurchschlängeln. Marias Schwester ist bekannt dafür, in solchen Situation eiskalt die Nerven zu behalten, keinen Fehler zu begehen und das Rennen souverän nach Hause zu fahren (naja, zumindest fast). Mit der Medaille vor Augen und in Führung liegend fädelt Susanne ein und scheidet aus. Sie ist am Boden zerstört.

Mario, der Pfarrer und Robert. Quelle: pb

Mario, Seelsorger Martin und Robert. Quelle: pb

Szenario 2: Der kleine Maxl geht mit seinen Eltern an den Gudiberg, um den WM-Slalom der Damen anzuschauen. Er ist glühender Susanne-Fan, seine Susi-Poster singen ihm nachts ein Lied davon. Als seine Fahrerin und Herzensdame rausfliegt, verabschiedet sich jegliche Maxl-Lebensfreude. Er ist am Boden zerstört.

Szenario 3: Kevin und Herbert warten auf den zweiten Durchgang. Beide haben Durst, sie greifen nach dem letzten frei-verfügbaren Erfrischungsgetränk. Keiner der beiden möchte es dem anderen überlassen: Kevin zieht, Herbert zieht, die Schwerkraft zieht – die Flasche ist am Boden zerstört.

Susanne, Maxl, Kevin und Herbert befinden sich nun nicht mehr im inneren Gleichgewicht – bei einer Großveranstaltung wie der Alpinen Ski-WM kann das fatale Folgen haben. Martin Johannes Karras hat die Aufgabe eben diese Folgen zu verhindern und Susanne, Maxl, Kevin und Herbert wieder aufzupeppeln – Martin Johannes ist Katholischer Pfarrer und Seelsorger. Bisher hatte er bei der WM noch nichts zu tun, aber das ist auch gut so. „Es ist gut, wenn wir da sind, aber schlecht, wenn wir gebraucht werden“, sagt Martin Johannes selbst über seinen Einsatz. Glaube, Hoffnung und Liebe werden nicht nur am Gudiberg groß geschrieben – im WM-Park gibt es ein Kirchenzelt. Martin Johannes freut sich auf Besuch.

Pistenblogger des Tages: Thomas Schmid

13. Februar 2011

Die Pistenblogger brauchen natürlich auch Unterstützung aus der Politik: Garmisch-Partenkirchens Bürgermeister Thomas Schmid steht uns zur Seite und zu unserer Seite.

Sonntag: Die Damen-Abfahrt im Check

13. Februar 2011
Lizz Görgl. Quelle: OK GAP2011

Lizz Görgl. Quelle: OK GAP2011

Im Gegensatz zur Abfahrt der Herren startet die Damenstrecke nicht am Kreuzjoch, sondern am unterhalb gelegenen Tröglhang. Die Strecke ist damit ein Stückchen kürzer als die der Männer, beträgt aber dennoch stolze 2.920 Meter. Los geht die wilde Fahrt am Schussanger, der in einen Sprung ins Himmelreich mündet. Dort befindet sich der Start des Super-G, den Lizz Görgl am Dienstag gewann. Daraufhin geht es schon hinein ins Waldeck, eine Traverse, die die anspruchsvollste und steilste Passage der Damenstrecke ist – hier liegt auch der Start des Riesenslaloms, der am Donnerstag stattfinden wird.

Maria Riesch. Quelle: OK GAP2011

Maria Riesch. Quelle: OK GAP2011

Nun beginnt die neue Strecke, die erst seit den Änderungen 2008 in dieser Form existiert. Der Eishang wurde aus dem Programm gestrichen, dafür geht es über die Ramwiesen und das Höllentor wieder zurück auf die alte Strecke und die dortige Hölle. Auf diesen Steilhang folgt die FIS-Schneise und der Tauberschuss, dem Pendant zum Freien Fall der Herren. Die letzten Meter der Kandahar sind für die Damen und Herren identisch.

Beim Weltcup-Finale 2010 gewann Maria Riesch auf exakt dieser Strecke. Wir sagen: Mach’s nochmal, Maria!

Freitag: Culcha Candela? Ohrweia!

12. Februar 2011

„Ey, du geile Sau, ich hab, was du brauchst. Schau mich nicht so an, du willst mich doch auch.“ Wenn es gute Musik ist, was ich brauche: Nein, das stimmt nicht! Und nein danke: Wir werden wohl niemals wieder auf ein Konzert von euch gehen!

War nicht so Hamma. Quelle: Pistenblogger

War nicht so Hamma. Quelle: Pistenblogger

Um 21.40 Uhr haben wir uns unter die wartende Menge für das Culcha-Candela-Konzert gemischt. Der Kurpark ist dicht, nichts geht mehr! Umkreist von einer Horde bunt gekleideter, brusthoher Freizeit-Rapper: die Mützen schief, die Hosen tief. Spätestens nach dem Eröffnungslied war uns dann endgültig klar, dass das nicht der erhoffte Abend werden wird. Manch ein Pistenblogger kannte die Band noch aus grauer Vorzeit, von kleinen Festivals. Heute ist die Band aber populär, muss nicht mehr über’s Land tingeln und füllt inzwischen sogar ganze Hallen. Auch ihre Auftritte haben sich geändert: Man trällert Texte für die pubertierende U16 und trägt Outfits für bravo-lesende Mädchen.

Aber vielleicht ist der Sound direkt vor der Bühne doch besser. Ein beschwerlicher Weg, an dessen Ende unser Ziel Pressezone wartet. Doch Zone 8 wird zu unserer Area 51: Etwa 60 Quadratmeter für Journalisten trennen die Pop-Hopper von den feiernden Früh-Teenagern. Aber kein Einlass für uns! Trotzdessen, dass wir  alle notwendigen Akkreditierungen haben. Laut Sicherheitsdienst, strikte Anweisung des Veranstalters: keine Journalisten im Pressebereich – wie der Name ja auch andeutet. Kein Einlass, keine Bilder, aber kein Problem für uns: Sorry,  lieber DJ Chino, Johnny Strange, Don Cali, Larsito, Mr Reedoo und Itchy – Culcha Candela ist inzwischen eine drittklassige Boyband!

Umfrage: Wer ist die schnellste Dame?

12. Februar 2011

Bei den Herren landete der Kanadier Erik Guay seinen „Big-Shot“ und holte sich die Goldmedaille. Wer folgt ihm bei den Damen?

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