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Freitag: DFB in the house!

19. Februar 2011

Freitag Nachmittag im Pressezelt an der Kandahar. Der Riesenslalom der Männer ist gerade vorbei, draußen feiert Ted Ligety seinen Sieg und wir sind natürlich dabei, die gerade gesammelten Stimmen im Skript zu verewigen. Mittlerweile kennt man die Journalisten, die Tag für Tag um uns herum ihrer Arbeit nachgehen. Also schaue ich mich um und hake innerlich ab – Schweizer Fernsehen, Tschechische Zeitung, Norwegisches Fernsehen, Pressesprecher der Deutschen Fußballnationalmannschaft, Österreichisches Radio… Moment! Pressesprecher unserer Fußball-Nationalmannschaft?

Der Deutsche Fußball Bund goes Garmisch. Quelle: Vero b./flickr.com

Der Deutsche Fußball Bund goes Garmisch. Quelle: Vero b./flickr.com

Ganz richtig, Harald Stenger steht mitten im Raum und quatscht friedlich mit unserem Chef Gerd Rubenbauer. Natürlich lassen wir uns die Gelegenheit nicht entgehen und verwickeln den Mann, der bei Länderspielen immer Schweini, Lahm und Co. ankündigt und befragt, in ein Gespräch. Nur zum Kaffee trinken und Skifahren gucken ist er nicht hier, der Harald – „man muss auch immer sehen, was die Konkurrenz macht“. Auch wenn der Skisport und der Fußball nicht in direkter Konkurrenz zueinander stünden. Gut beobachtet, Harald!

Insgesamt zeigt er sich von der Organisation beeindruckt, besonders das Pressecenter an der Kandahar hat es dem DFB-Angestellten angetan. Die Möglichkeit, dort auf mehreren Flachbildfernsehern die Interviews von der Piste zu sehen, sei „schlicht sensationell“. Willkommen im 21. Jahrhundert! Natürlich will ich wissen, ob ein Projekt, wie das der Pistenblogger auch im Fußball möglich sei – quasi eine Art Rasenblogger? „Die anderen Journalisten würden uns den Kopf abreissen, die Mixed-Zones sind eh schon total überlaufen“, entgegnet uns Harald leider Gottes. Zur Wiedergutmachung empfiehlt er uns dann aber immerhin noch dem Rest der Welt:

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Dienstag: 1.000 Meter ins Nichts

19. Februar 2011
Der Freie Fall von oben.

Der Freie Fall aus der Gondel. Quelle: Pb

Nach zehn Tagen Ski-WM war am Dienstag der erste Ruhetag. Für uns zwar nicht komplett, aber für die Athleten. Nach der obligatorischen Erstellung des Pressespiegels am Morgen machten wir uns auf den Weg an die Kandahar. Einmal die Abfahrtsstrecke von oben anschauen, das war unser Plan. Und wie erwartet, die Piste ist nur mit einem Wort zu beschreiben: unfassbar. Sie ist steil, sie ist schnell, sie ist eisig und vor allem ist sie: lang. Wir waren mit der Gondel knapp zehn Minuten unterwegs, die Fahrer brauchen für die 3,3 Kilometer nicht einmal zwei Minuten. Der freie Fall wirkt von oben wie eine Gletscherspalte, in die sich die Abfahrer freiwillig hineinstürzen.

Alpspix - 1.000 Meter ins Nichts

Aussichtsplattform Alpspix. Quelle: Pb

Nach der Fahrt mit der Kreuzeckbahn wagten wir uns an die Alpspitzbahn. Oben soll es ja eine Aussichtsplattform geben, die auf Bildern ziemlich gefährlich aussieht. Es war ein Abenteuer, man kann es nicht anders sagen. Ein Pistenblogger hatte merklich mit seiner Höhenangst zu kämpfen (er verlor nach Punkten), drei andere ließen das Extreme Team wieder aufleben und wagten sich auf die Plattform namens Alpspix. Von einem Fels ragen zwei Stahlplattformen ins Nichts, der Boden ist durchsichtig. 1.000 Meter geht es hinunter. Dagegen war der Ausflug am Kran nichts weiter als ein Kindergeburstag. Am Anfang waren die Knie weich, nach ein paar Minuten wurde es besser. Ein Ruhetag war es in dem Fall trotzdem nicht: Bei uns herrschte mehr Nervenkitzel als bei so manchem Rennen.

Pistenblogger des Tages: Wolfi Hostmann

18. Februar 2011

Wolfi ist unser Stadion-Interviewer an der Kandahar und am Gudiberg. Er mischt sich unter die Zuschauer, er spricht mit den Fanclubs und den Eltern der Athleten. Und: Er ist ein Fan von Pistenblogger.

Mittwoch: Exotenscreening, die Zweite

18. Februar 2011

Die kulturelle Vielfalt dieser WM ist beachtlich, hier kommen weitere Informationen zu den Exoten:

Gerade in den unteren Fußballligen sind Spielertrainer Gang und Gäbe. Das gibt es aber auch im alpinen Skisport: Alexander Heath aus Südafrika ist sein eigener Trainer. Sein Teamkollege und zugleich Schützling Tsotane Dywili mag Kung-Fu – Alexander sollte ihm also besser nicht blöd kommen.

Der Luxemburger lässt sein Material prüfen. Quelle: Pistenblogger

Der Luxemburger lässt sein Material prüfen. Quelle: Pistenblogger

Ben Trierweiler aus Luxemburg hat einen riesigen Vorteil: er kann den Hang  runtersegeln und ins Ziel fliegen. Schließlich ist er Flugzeugmodellbauer.

Ein Skilehrerinnen-Kalender soll eine ausgefallene Idee sein? Nicht für Hubertus von Hohenlohe aus Mexiko. Schließlich fotografiert er gerne.

Ihn haben wir die letzten Tage stets in der Mixed-Zone gesehen: Jean-Pierre Roy aus Haiti weiß sich zu vermarkten – mit Erfolg. Fast jede Zeitung schrieb über ihn. Mit Recht: Jean-Pierre ist 47 Jahre alt, hat sieben Geschwister, spielt in einer Rock-Blues-Band den Bass und hat zwölf Jahre Cello gelernt. Auf den Skiern steht er übrigens noch nicht so lange.

Bekannt als der „Snow-Leopard“ möchte Kwame Nkrumah-Acheampong der erste Mensch sein, der in Ghana Ski fährt. Spenden für eine Piste werden bereits gesammelt. Kwame legt aber auch selbst Hand an, er hat seinen Rennanzug selbst designed.

Die Skiläufer aus den Niederlanden scheinen wahre Männer zu sein. Joery van Rooij fährt total auf schöne Frauen ab (auch die Pistenblogger haben da nichts dagegen) und Maarten Meiners, der erst letztes Jahr sein Abitur gemacht, schwärmt für schnelle Autos (die Pistenblogger schwärmen für schnelle Shuttles).

Wenn wir mal Probleme mit unserem Blog haben, wissen wir jetzt, an wen wir uns wenden können: an Stepan Zuev aus Russland und den Australier Hugh Stevens. Beide sollen absolute Computergenies sein.

Das Exotenscreening war eine unterhaltsame und anspruchsvolle Aufgabe, vor allem bei Trainern, die genauso viel Englisch sprechen wie die Pistenblogger Bulgarisch. So unterschiedlich die Fahrer aus Brasilien, Chile & Co(ngo) sind, eines teilen sie allesamt: die insbrünstige Leidenschaft für den Skisport und den Traum, einmal bei einer Alpinen Ski WM dabei zu sein. Dafür gibt’s von den Pistenbloggern 14 Daumen nach oben!

Täglich: Grüßt der Pistenblogger

18. Februar 2011

Ihr werdet Euch sicher schon oft gefragt haben: Wie sieht er denn aus, der ganz normale Arbeitsalltag der Pistenblogger? Wollen wir mal einen kleinen Einblick in unsere täglichen Aktivitäten geben.

Unsere Morgenlektüre. Quelle: pb

Unsere Morgenlektüre. Quelle: pb

6.30 Uhr: Wir marschieren pünktlich zur Eröffnung des Mediencenters ein. Der Pressespiegel will erstellt werden. Das heißt für uns: Zeitungen lesen bis zum Umfallen. Alles wichtige zur Ski-WM wird ausgeschnitten, abgegeben und kopiert. Das Resultat daraus ist eine knapp 50-seitige Mappe mit allen relevanten Artikeln des Tages aus allen Zeitungen, die uns zur Verfügung stehen. Da freut sich der Journalist.

Eine Stunde vor dem Rennen: Wir machen uns auf den Weg an die Piste. Meistens an die Kandahar, zum Slalom an den Gudiberg. Dort verteilen wir die Extended Start Lists an die Stadionsprecher und TV-Kommentatoren, damit sie mit geballtem Hintergrundwissen brillieren können.

Das Rennen beginnt: Wir stehen im Zielraum bei den Print- und TV-Journalisten und warten auf die ersten Athleten. Sobald sie da sind, nehmen wir ihr erstes Statement entgegen. So geht das bis zum Ende des Rennens, bis wir – im Idelfall – von jedem einzelnen Läufer ein Statement bekommen haben. Gibt es zwei Durchgänge, machen wir das Ganze doppelt.

Nach dem Rennen: Wir verschwinden ins Medienzelt an der Strecke, tippen die Statements ab, drucken sie aus und verteilen sie an die versammelte Journalistenmeute. Die Freude der Kollegen ist groß – zurecht.

Nachmittag: Wir kommen ins Main Press Center zurück, wenn es die Zeit erlaubt, kümmern wir uns um den Inhalt des Blogs.

Abend: Wir warten auf die Startnummernauslosung. Sobald wir wissen, wer am nächsten Tag mitfährt, machen wir uns an die Extended Start Lists. Dabei suchen wir alle interessanten Informationen zusammen, die es über einen Fahrer gibt. Egal wie – sei es über die Trainer, über die FIS-Seite oder über ihren privaten Facebook-Account. Diese Informationen werden dann gebündelt an die Kommentatoren verteilt. Verrückt, was die im Fernsehen alles wissen, oder?

22:30 Uhr: Spätestens um diese Uhrzeit verlassen wir das Mediencenter – es wird abgeschlossen. Wir machen uns auf den Weg in unser Zehnbettzimmer und schlummern friedlich bis zum nächsten Morgen. Dann beginnt das Spiel von vorn. Täglich grüßt der Pistenblogger.

Donnerstag: Als DJ an der Piste

17. Februar 2011

Zuschauer am Horn. Quelle: Pistenblogger

So eine kleine Bergtour am frühen Morgen ist schon was ganz was feines. Kaum im Pressezentrum angekommen, wird man losgeschickt: Qualifikation für den Riesenslalom der Herren! Ja gut, ein paar Exoten dabei zuschauen, wie sie sich die Piste runterquälen – könnte ja ganz witzig werden. Also mache ich mich zu Fuß auf den Weg und begleite Stefan Kitzmüller, der kurzfristig als Kommentator einspringen musste, zur Horn-Abfahrt. Dort findet die Qualifikation für den morgigen Riesenslalom der Herren statt. Die erste Hiobsbotschaft bekommen wir praktisch schon mit unserer Ankunft: Der Nebel hängt tief im Hang. Start wird wahrscheinlich verschoben. Tatsächlich wird er sogar mehrmals verschoben – bis 11:45 Uhr. Zwei Stunden Warten kosten die Veranstalter nicht nur Nerven, sondern auch die fünf einzigen Zuschauer, die zur Qualifaktion gekommen waren.

In den zwei Stunden quatsche ich ein wenig mit dem irischen Trainer, der mich mit dem kurzen, aber mich anscheinend beeindruckenden Wörtchen „langweilig“ anspricht. „Ja“, sage ich. Ein wahres Männergespräch. Er ist übrigens der Einzige, der sich das ganze Rennen über ernsthaft Notizen macht und akribisch zu arbeiten scheint. Achja, das Rennen. Nachdem wir lange auf den Start warten mussten und es endlich soweit war, stieg die Anspannung an der Piste merklich, ein Raunen ging durch die Zuschauermenge (Matze und der Zaun) und es wurde wie erwartet: saulangweilig. Aber zurück zum irischen Trainer. Er wirkte schon die ganze Zeit über ein bisschen traurig, nach dem ersten Durchgang wusste ich warum: Ire Eins unter den letzten 15, Ire Zwei unter den letzten 10, Ire Drei scheidet aus und Ire Vier schafft es immerhin wieder unter die letzten 10.

Ein Ire und zwei müde Chinesen. Quelle: pb

Plötzlich aber bekomme ich etwas zu tun: Ich bin der neue Pisten-DJ. Yeah! Eigentlich soll ich nur die FIS-Hymne zur Siegerehrung einspielen. Das ist mir selbstverständlich nicht genug. Ich durchforste den iPod (ja, die Piste wird mit einem iPod beschallt) nach geeigneten Liedern und entscheide mich als erstes für „Du hast den schönsten A… der Welt“, hört ja eh keiner. Danach setze ich noch einen drauf: Venga Boys! Ernsthaft! VENGA BOYS!!! Mit ihrem Knaller „My uncle John from Jamaica„. Dieser Song packt mich derart, dass ich ihn gleich mehrmals laufen lasse. Zudem versetze ich mich damit in wahrhaftige „Cool Runnings„-Stimmung – passend zu den Startern aus Ghana, Haiti und Indien. Und genau dann passiert es: Es kommen tatsächlich noch Fans – aus Haiti (!), die ihrem Fahrer Jean-Pierre Roy an der Horn-Abfahrt nochmal richtig einheizen:

Mittwoch: Exotenscreening per Pantomime

17. Februar 2011

Die Speed-Disziplinen sind passé, die Technik rückt in den Mittelpunkt – das ist auch der Startschuss für exotische Skifahrer aus aller Welt (oder welche, die es noch werden wollen). Abseits jeder Fernsehkamera müssen sie sich jedoch erst für den Endlauf qualifizieren. Dieses herzzerreißende, träumeerfüllende Aussscheindungsrennen will auch moderiert sein. Die Hintergrundinfos zu den Fahrern bekommt der Moderator natürlich von uns Pistenbloggern. Woher wissen wir das alles? Wir haben einfach die Trainer gefragt. Hinsetzen, anschnallen, festhalten und den Lachmuskeln noch eine letzte Sekunde Ruhe gönnen!

Pistenblogger Matthias packt sein Armenisch aus. Quelle: Pistenblogger

Pistenblogger Matthias packt sein Armenisch aus. Quelle: Pistenblogger

Die finnischen Trainer scherzten sich in unsere Herzen:  „Schreibt, er reitet gerne.“ Sie kugelten sich vor Lachen – der Fahrer wird sich wundern, im Ziel zu hören, er hätte eine flammende Vorliebe für Pferde.

Dmitriy Babikov aus Usbekistan rühmt sich mit dem ehrenwerten Hobby Essen. Er wird sich dann mit seinem blauen Helm wie das Maskottchen Pa den Berg runterkugeln.

„Ich kenne ihn nicht so gut“, gestand der zypriotische Trainer und rief kurzerhand seinen Schützling Constantinos Papamichael an. Der hat nicht nur einen grandiosen Namen, sondern gab auch wohlwollend Auskunft: „Ich schwimme gerne und mache Gymnastik.“

Constantinos machte da keinen Witz – Erdinc Turksever hingegen beliebt des öfteren zu scherzen. Er ist der Spaßvogel der türkischen Mannschaft und strapaziert die Nerven seiner Kollegen mit diversen Streichen. Frech, dieser Erdinc!

Csaba Bujtas aus Ungarn liebt nicht nur den Wettkampf auf Eis und Schnee. In seiner Heimat trumpft er als berühmter Go-Kart-Fahrer auf (Sebastian Vettel aufgemerkt). Motorsport ist auch die Leidenschaft vom Teamkollegen Daniel Petrovics, dem Autotuner.

Die Freundin eines Pistenbloggers bringt ihm als Nachhilfelehrerin das Rechnen bei: Manfred Oettl Reyes wirft sich für Peru ins Tal. Er ist auch musikalisch versiert, spielt Gitarre, ein peruanisches Volksinstrument und singt dazu gerne.

Na, im letzten Kirgisistan-Urlaub richtig viele Bruchbuden gesehen? Die sind auf den Mist von Dmitry Trelevski gewachsen, der hauptberuflich Architekt ist.

Sie müssen am besten klein und wendig sein: Slalomfahrer und Fußballer beim Futsal. Der Armenier Arsen Nersisyan tritt nächstes Jahr eventuell bei der armenischen Meisterschaft im Futsal gegen den Ball.

Morgen geht’s weiter mit den ganz großen Skinationen: Haiti, Ghana oder Mexiko.

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